Live-Podcast mit Ben Müller von neonblau: Gen Z versteht Banking. Versteht Banking Gen Z?
Shownotes
Wann verliert eine Bank einen jungen Kunden? Erst bei der Kündigung? Oder schon dann, wenn das Konto zwar bestehen bleibt, Geldanlage und Finanzwissen aber längst zu anderen Anbietern gewandert sind? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der ersten Live-Aufnahme unseres Podcasts Finanzrauschen auf der PayForward2026. Host Ares Abasi sprach mit Ben Müller von neonblau vor Publikum über das Thema „Gen Z versteht Banking. Versteht Banking Gen Z?“
Der Live-Podcast knüpfte an den Impulsvortrag von Ben Müller, Esma Gökgül und Bastian Leuchten an. Die drei zeigten, wie Finanzbildung, Community und Banking Experience dazu beitragen können, junge Menschen als Kunden zu gewinnen und als Mitglieder zu begeistern. Im anschließenden Gespräch ging es darum, was daraus für die Bankpraxis folgt.
Ein Beispiel: Wenn das erste regelmäßige Gehalt eingeht, denkt die Bank vielleicht an ein Girokonto oder einen Sparplan. Der junge Kunde möchte zunächst wissen, wie viel Geld er ausgeben kann, welche Rücklagen sinnvoll sind und wie er mit dem Vermögensaufbau beginnt. Wer an dieser Stelle nur ein Produkt erklärt, lässt die eigentlichen Fragen offen.
Finanzbildung setzt genau dort an. Sie erklärt Zusammenhänge, ordnet Risiken ein und hilft Menschen, eine eigene Entscheidung zu treffen. Dazu gehört auch, von einem Abschluss abzuraten, wenn ein Produkt nicht zur jeweiligen Situation passt. Endet jede Erklärung beim eigenen Angebot, wird aus Bildung Vertrieb. Für Genossenschaftsbanken ist das eng mit der Frage verbunden, wie sie jüngere Kunden langfristig halten. Ein von den Eltern eröffnetes Konto verschafft einen frühen Kontakt. Eine belastbare Beziehung entsteht daraus erst, wenn die Bank später einen eigenen Grund liefert, warum der junge Mensch bleiben und Mitglied werden sollte.
Dabei können Genossenschaftsbanken etwas leisten, das ein kurzes Video in sozialen Medien nicht ersetzt. Sie können die persönliche Situation berücksichtigen, Risiken konkret einordnen und auch nach der ersten Frage erreichbar bleiben. Dafür müssen digitale Angebote funktionieren und verständlich sein. Bei komplexeren Entscheidungen braucht es zusätzlich Menschen, die erklären können, ohne zu belehren. Im Live-Podcast sprechen Ben Müller und Ares Abasi außerdem darüber, was junge Menschen von Banking erwarten, wie Mitgliedschaft im Alltag sichtbar werden kann und weshalb Banken früher ansetzen müssen als bei der Baufinanzierung.
Transkript anzeigen
00:00:04: Sprecher Finanzrauschen, der Banking Podcast, eine Produktion von DG Nexolution.
00:00:10: Ares Abasi Hallo und herzlich willkommen zum allerersten Live-Podcast hier auf der PayForward. Mein Name ist Ares Abasi, ich bin Host des Podcasts Finanzrauschen von DG Nexolution. In diesem Podcast spreche ich mit Entscheiderinnen und Entscheidern aus der Genossenschaftlichen FinanzGruppe über regulatorische Themen und über Themen, die die Genossenschaften allgemein betreffen. Und mein Gast ist heute Ben Müller, herzlich willkommen, schön, dass du da bist. Auch vielen Dank, dass du hier so ambitioniert noch mal rüber gesprintet bist, dich noch mal neu verkabeln lassen hast und jetzt hier direkt noch mal weiter machst, damit wir so ein bisschen Deep Dive machen. Ich denke, alle von euch waren auf dem Impulsvortrag. Das heißt, es wird Überschneidungen geben, das ist auch komplett normal. Wir werden jetzt einige Fragen noch mal tiefer beleuchten und stell dich doch mal ganz kurz noch mal vor, vielleicht für die einzelnen Leute, die doch nicht auf der Veranstaltung waren und sag uns doch mal, was du bei Neonblau genau machst.
00:00:55: Ben Müller Ja, eben kurz angeschnitten, jetzt kommt der Deep Dive, deswegen sage ich es auch ein bisschen genauer. Ich bin in der GFG seit 5 Jahren, hab da nach meinem Abi mein duales Studium bei Union Investment angefangen. Das ist mit einer Ausbildung kombiniert, bin dann nach meiner Ausbildung intern in Abteilung gewechselt, hab meinen Bachelor fertig gemacht. Damit bin ich seit letztem Jahr fertig und bin aktuell noch im Master im dritten Semester, also auch damit bald fertig und jetzt gerade innerhalb der Union noch mal gewechselt. im letzten Jahr bin ich dann aufmerksam geworden auf Neonblau. Es gibt es ja eigentlich schon ein bisschen länger, meine beiden Kollegen sind auch schon ein bisschen länger mit dabei und dürfen das schon lange mitgestalten. Ich bin im letzten Jahr erst drauf aufmerksam geworden, hab mir aber gedacht, das ist so cool, was sie machen und bin auch wirklich überzeugt davon, dass die genossenschaftliche Idee trägt und auch zukunftsfähig ist und hab gesagt, da würde ich gern mitmachen und bin dann in das Team Finanzbildung eingestiegen und da bin ich Mitglied und da zum einen, wie alle anderen Teammitglieder auch von Neonblau, nehmen wir an den Soundings teil und können den Banken Feedback geben zu ihren Jugendmarktkonzepten et cetera. Und die zweite Facette von Neonblau sind eben die sogenannten Leuchtturmprojekte und da beschäftigt uns hauptsächlich Finanzbildung, das Thema der App und dieses Tools für die Banken, so dass wir Finanzbildung einmal an den Endkunden direkt richten und einmal an die Banken, so dass diese weiterhin Experten und Multiplikatoren innerhalb der Region bleiben können.
00:02:17: Ares Abasi Region, Regionalität, Mitgliedschaft, Finanzbildung, das sind auch alles Themen, über die wir heute sprechen werden. Wenn wir jetzt mal in das Thema einsteigen, junge Menschen prüfen Banking an ganz konkreten Situationen, ja, verstehe ich das Angebot, sind die Kosten transparent, funktioniert der Prozess auf dem Smartphone, erhalte ich Hilfe, wenn eine Entscheidung kompliziert wird. Gleichzeitig wächst die wirtschaftliche Bedeutung dieser Kundengruppe. Die Boston Consulting Group, also die BCG, prognostiziert, dass das Ertragspotential der Gen Z in Deutschland bis 2027 um 311 Prozent auf mehr als 9 Milliarden Euro steigen wird. Für Banken ist es 'ne enorme Chance. Der Wettbewerb beginnt aber lange bevor ein Konto gekündigt wird. Er beginnt nämlich genau in dem Moment, in dem eine Bank im Leben eines jungen Menschen keine erkennbare Rolle mehr spielt. Genau deswegen lautet unser Thema heute, wie man hier auch so schön sehen kann, Gen Z versteht Banking, versteht Banking auch Gen Z. Wir werden gleich über Lebenssituationen sprechen, über Mitgliedschaft, wie schon gesagt, Finanzbildung schon die Frage, was Genossenschaftsbanken konkret anders machen müssen und was sie eigentlich auch schon richtig machen. Genau, lass uns doch mal mit dem Titel einsteigen. Wo würdest du denn sagen, ja Banken verstehen junge Menschen schon ziemlich gut und wo würdest du sagen, sie sprechen an ihnen vorbei?
00:03:23: Ben Müller Ich würde es mal auf unsere Gruppe beziehen, weil das ist ja auch das, was unser Ziel ist, unsere Gruppe möglichst attraktiv aufzustellen und was wir mittlerweile ganz gut hinbekommen haben, ist den Weg ins Digitale immer weiter voranzutreiben. Wir sind da noch lange nicht am Ziel angelangt, das würde ich nicht sagen, aber wir haben es, wirklich verstanden und bewegen uns in die richtige Richtung. Das heißt, wir müssen verstehen, dass diese digitalen Prozesse heute kein USP mehr sind, sondern Hygienefaktor. Also die müssen sitzen und das haben wir erkannt und da bewegen wir uns definitiv in die richtige Richtung. Also das läuft gut neben unseren ganzen USPs. Ich vermute, da kommen wir später noch mal drauf zurück, deswegen erstmal, das läuft gut und was noch nicht so gut läuft, ist glaube ich, dass immer noch zu sehr in Produkten gedacht wird. Das bedeutet, als Bank hab ich meine Produkte und möchte die dem Kunden anbieten.
00:04:14: Ares Abasi Auch darüber sprechen wir später noch mal, nicht zu tief darüber sprechen.
00:04:17: Ben Müller O. K., dann ganz kurz, was läuft noch nicht so gut, 'ne Bank denkt in Produkten, 'n Kunde oder 'n Mitglied aber nicht, der Kunde oder das Mitglied denkt in Lebensphasen. Also, was bringt es mir, wenn mir 'n Wertpapiersparplan angeboten wird, wenn ich mich einfach nur frage, ich hab 50€ übrig, was mach ich damit, wenn ich mangelnde Finanzbildung hab und ich nicht mal weiß, was das ist, dann interessiert mich das erstmal gar nicht, sondern ich hab 'ne konkrete Situation und die beschäftigt mich. Das heißt, wir müssen weniger in Produkten, mehr in Situationen denken.
00:04:44: Ares Abasi Mhm, wie gesagt, darüber sprechen wir dann gleich noch mal. Schauen wir noch mal auf die Ausgangslage. Der Altersschnitt steigt, die Mitgliederzahlen stehen unter Druck und der Zugang zu jungen Menschen wird allgemein schwieriger. Gleichzeitig beschreibt die BCG, wie ich im Intro bereits erwähnt hatte, die Gen Z als das künftig wachstumsstärkste Kundensegment. Und das klingt natürlich nach einer großen Chance, aber natürlich auch nach einem Markt, um den sehr, sehr viele Leute kämpfen. Verlieren Genossenschaftsbanken junge Menschen tatsächlich erst im Wettbewerb oder verlieren sie eigentlich schon vorher an Relevanz?
00:05:13: Ben Müller Ich würd sagen, an beiden Stellen, die Wettbewerber oder der Wettbewerb, das ist eigentlich nur 'n Symptom dafür, dass gewisse Sachen in der Vergangenheit nicht gut gelaufen sind. Also, das ist das Symptom, was sich äußert, weil wir uns um Dinge nicht so gut gekümmert haben, was aber 'n Bedarf war bei jungen Kunden oder Mitgliedern. Die Relevanz verlieren wir aber eigentlich in einem Schritt davor, nämlich wenn wir uns nicht so positionieren, als dass 'n junger Kunde die Notwendigkeit oder den Mehrwert einer Genossenschaftsbank erkennt. Und wenn wir das vermittelt bekommen, dann wird sich ja gar nicht so aktiv nach einem Wettbewerber umgeschaut, wie das aktuell der Fall ist. Das bedeutet, wir müssen es vielmehr schaffen, diesen Mehrwert, Mitglied einer Genossenschaftsbank zu sein, auszudrücken und zu kommunizieren und dann wird uns auch der Wettbewerb als Symptom viel weniger berühren.
00:06:02: Ares Abasi Junge Erwachsene wählen Volksbanken und Raiffeisenbanken nur selten aus eigener Überzeugung. Es gibt Studien darüber, dass sie oft Kunde sind, weil ihre Eltern dort Kunde sind. Bei Direktbanken sind die Gründe andere, da geht es um günstigere Preise und Konditionen, es geht um gutes Online-Banking oder auch Empfehlungen aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis. Ist das familiär eröffnete Konto dann überhaupt noch eine Chance oder gaukelt das eine Bindung vor, die eigentlich gar nicht mehr da ist?
00:06:27: Ben Müller Ich würd sagen, man muss es so 'n Stück weit als so 'ne Art Geschenk wahrnehmen, weil es ist ja wirklich 'n Geschenk. Man kriegt quasi einfach wirklich 'nem Kunden geschenkt. Der war bisher nur Kind, das heißt, da ist nicht viel passiert. Da haben die Eltern, also der bisherige Kunde, alles im Namen gemacht und jetzt ist da auf einmal jemand 18 und quasi 'n neuer Kunde. So, und wir haben den einfach so bekommen. Das heißt, es ist 'ne Riesenchance, aber es liegt dann an der Bank selber, aus diesem Kunden, der uns geschenkt wurde, 'ne bewusste Entscheidung zu machen, OK, ich bleibe bei der Bank und ich wähle diese Bank aktiv und wie schaffen wir das? Wir müssen entweder ganz stark den Mehrwert vermitteln, den wir bringen oder wir müssen positiv überraschen, so dass auch wieder da der Kunde sich denkt, O. K., ich hab hier diese Mehrwerte, ich bin hier Mitglied von was anderem, wieso also sollte ich überhaupt wechseln?
00:07:14: Ares Abasi Richtig und jetzt kommen wir auf den Punkt, den du vorhin schon angesprochen hast. Banking denkt junge Kundinnen und Kunden noch über Produkte, ne Girokonto, Kreditkarte, Sparplan, junge Menschen hingegen denken in Lebenssituationen, also das erste Gehalt, die Ausbildung, der Auszug, Reisen, Mobilität, das erste Studium, Absicherung, finanzielle Bildung. Was verändert sich denn, wenn Banking nicht mehr in diese Produkte denkt, sondern in diesen Lebenssituationen?
00:07:40: Ben Müller Also, wenn man in Produkten denkt, wie wird man dann wahrgenommen als Verkäufer, weil das ist man ja in dem Moment auch. Ich hab 'n Produkt als Bank und möchte das an den Kunden bringen, also verkaufe ich dem Kunden das Produkt. Was uns aber da wieder auch unterscheidet von 'nem Wettbewerber ist, dass wir eigentlich Begleiter sein sollten. Wir sollten 'n Partner sein, für den Kunden, für das Mitglied. Also müssen wir hier viel mehr daran denken, wir wollen dem Kunden nichts verkaufen, sondern den Kunden befähigen. Und wenn wir das schaffen und auch diese Wahrnehmung beim Kunden erreichen, dann nimmt der einen noch viel weniger als Verkäufer wahr, sondern einfach als 'ne Stütze, an die ich mich wenden kann, wenn ich Fragen habe.
00:08:16: Ares Abasi Nehmen wir mal als Beispiel eine Lebensphase und zwar das erste regelmäßige Gehalt. Die Bank sieht darin häufig den Anlass, vielleicht für ein Konto, einen Sparplan oder eine Versicherung. Der junge Mensch hat aber dann andere Fragen, existenzielle Fragen. Er fragt sich vielleicht erstmal, was kann ich denn überhaupt ausgeben, was muss ich zurücklegen und wie verhindere ich Fehler. Wie müsste eine Bank dann diesen Moment neu denken?
00:08:38: Ben Müller Also, die Bank müsste erstmal und das ist schwer und das ist vielleicht auch in dem Moment nicht das allereffizienteste, aber die Bank müsste erstmal zuhören und sich die Zeit bewusst nehmen und deswegen sage ich, das ist vielleicht nicht so effizient, dem Kunden ganz stark zuzuhören und zu sagen, was beschäftigt dich, was sind deine Probleme und Wie kann ich dir vielleicht auch erst mal nur eine informelle Unterstützung geben, indem ich deine Fragen beantworte und nicht direkt darauf antworte mit: Da wäre ein passendes Produkt, sondern ich fühle mich unsicher und was möchte ich in dem Moment? Ich möchte kein Produkt abschließen oder einen Vertrag abschließen, sondern ich möchte Hilfe und Unterstützung haben. Und auch da wieder, das schafft eine Wahrnehmung von einer Genossenschaftsbank, die sich unterscheidet von Wettbewerbern.
00:09:21: Ares Abasi Wenn wir über die Gen Z sprechen, dann klingt es oft so, als würde diese Generation die nächste technische Revolution erwarten. Aber eigentlich sind die ja die Bedürfnisse klar definiert. Entweder sind es Punkte wie einfache Sprache, transparente Kosten oder sowas wie Sicherheit, eine funktionierende und gute App, schnelle Prozesse, nachvollziehbare Beratung und Orientierungen, Finanzentscheidungen. Was bedeutet denn gutes Banking aus Sicht junger Kunden? Du hast es schon erwähnt, aber vielleicht können wir da noch mal einsteigen. Wo suchen Sie explizit Orientierung? und welche Fragen werden eigentlich auch zu selten aufgegriffen?
00:09:54: Ben Müller Also, erstmal um mal auf die erste Frage einzugehen, was bedeutet gutes Banking? Gutes Banking bedeutet, ich hab keine Medienbrüche. Das bedeutet, wenn ich 'nen Prozess beginne in der App, dann würde ich den auch gerne in der App abschließen und nicht zwischendurch in 'ne Filiale gehen müssen oder 'n Brief erhalten müssen. Und das bedeutet erstmal gutes modernes Banking. Und in welchen Situationen suche ich Orientierung, das sind vor allem die, die sehr individuell und komplex sind, weil es gibt viele Fragen, die ich mir stelle, die ich auch online mir beantworten lassen kann, in welcher Form auch immer, sei es 'n Podcast, 'n Blog, ich google das oder ich geb es in 'n Sprachmodell ein. Und was macht jetzt 'ne Situation besonders, so dass ich da wirklich Orientierung suche? Das bedeutet, die ist komplex und individuell. Das hat beispielsweise mit einer sehr langen Laufzeit zu tun oder mit einem sehr hohen Volumen Und da reicht es mir eben nicht aus, einfach diesen Online Advice zu bekommen, sondern da will ich vielleicht wirklich mal mit einem Menschen sprechen, um mir da auch sicher zu sein, dass ich mich an das halten kann, was da gesagt wird.
00:10:54: Ares Abasi Wann wirkt denn eine Bank modern und wann wirkt sie komplex?
00:10:56: Ben Müller Also, das Wort Medienbruch ist da perfekt, dass man das vermeidet. Also, ich möchte alles in einem Schritt machen können und schnell. Wir vergleichen nämlich eine V. R. Banking App beispielsweise nicht mit der Banking-App der Sparkasse, sondern mit einer anderen App. Und das sind Apps wie Instagram, TikTok, YouTube, Pinterest, was auch immer. Und wenn ich mich da aufhalte, dann bin ich ein ganz anderes UX gewöhnt, dann bin ich eine ganz andere Kontoeröffnungsstrecke gewöhnt und das ist deutlich einfacher und das ist die Konkurrenz in dem Bereich. Und in der Filiale muss ich mich ja nicht mit anderen Banken messen, sondern mit anderen analogen Erlebnissen.
00:11:33: Ares Abasi Kommen wir mal auf unsere Chancen zu sprechen, unser USP Genossenschaftsbanken vermitteln wichtige Werte wie Nähe, Mitgliedschaft, regionale Verankerung, das hast du alles schon gesagt. Diese Begriffe klingen richtig und wichtig, aber oft klingen sie auch wahnsinnig abstrakt. Was müsste denn ein junger Mensch wirklich erleben, damit daraus ein Grund wird, Mitglied zu sein?
00:11:52: Ben Müller Da würde ich sagen, da muss die Brücke geschlagen werden vom Digitalen ins Analoge. Bedeutet, zum einen muss ich das tatsächlich dort spüren, wo ich mich meistens aufhalte. Das ist die digitale Welt. Deswegen ist ja auch unser Vorschlag seitens Neonblau, das Ganze stärker in der Banking-App zu integrieren, weil dann habe ich häufigere Berührungspunkte damit. Aber das allein reicht nicht aus, um diesen Vorteil zu zeigen. Ich muss irgendwas im Analogen schaffen, was wirklich den Mehrwert klarstellt, und das könnten beispielsweise interessante Events sein. sein. Das ist leider heute in der Form, wie es jetzt stattfindet, nicht 'ne Mitgliederversammlung, weil das ist nicht auf die Zielgruppe ausgelegt. Aber es gibt genug Potenzial bei dem Engagement, was viele Volksbanken und Raiffeisenbanken haben, entsprechend die Events so aufzusetzen, dass junge Kunden sagen würden, da gehe ich gerne hin und da kann ich erleben, was es bedeutet, Mitglied zu sein und da sehe ich den Mehrwert, den die Bank liefert. Das heißt, wir müssen die regelmäßigen Berührungspunkte im Digitalen schaffen und die wirklich wichtigen in der analogen Welt.
00:12:51: Ares Abasi Welcher genossenschaftliche Vorteil ist denn wirklich ein USP, wo du sagst, das kann ein digitaler Wettbewerber gar nicht nachahmen und wo dürfen denn überhaupt junge Menschen noch mitentscheiden?
00:13:02: Ben Müller Theoretisch auf der Mitgliederversammlung, da kommen die jungen Menschen halt nicht hin, das ist leider das Problem. Deswegen tatsächlich genau und was ist der USP beziehungsweise was ist wirklich der Mehrwert und das ist auch 'ne Karte, die wir viel zu wenig spielen, es sind die Werte, du hast sie gerade genannt, es ist Regionalität, es ist Souveränität und und es ist Demokratie und all diese Werte geraten ja gerade ein bisschen mehr in Verruf auf internationaler Ebene und deswegen ist es so wichtig, jetzt hier ein Gegenpol zu sein und die zu nutzen und zu sagen, wir sind eben anders und das Digitale, wie gesagt, ist ein Hygienefaktor, das muss sitzen, aber das kann man leicht nachholen. Aber Werte kann man ja nicht einfach so aus dem Nichts schaffen und das ist auch der Vorteil, den wir haben gegenüber Neobanken und Neobrokern, weil die können ja jetzt nicht sagen, wir stehen hinter folgenden Werten, die schon seit Jahrzehnten, Jahrhunderten bestehen, sondern die müssten das erst künstlich schaffen.
00:13:53: Ares Abasi Richtig. Die Nextgen Banking Finance Studie nennt die Plattform TikTok, YouTube und Instagram als besonders relevante Kanäle der Gen Z. Gleichzeitig zeigen Nutzerinnen und Nutzer von Blogs und LinkedIn ein überdurchschnittliches Interesse an Banking Content. Was bedeutet das denn für Banken, heißt das, sie müssen überall sein?
00:14:11: Ben Müller Also, im Optimalfall bin ich natürlich an möglichst vielen Stellen vertreten. Was aber viel wichtiger ist, ist wenn ich irgendwo vertreten bin, dass ich das dann richtig mache. Was häufig passiert, ist ja beispielsweise, dass ich ein Content-Format produziere und das einfach auf allen gleichzeitig ausspiele. Das ist aber viel zu individuell und ich kann nicht diese eine Lösung bauen und dann für alle Probleme nutzen. Deswegen würde ich sagen, wenn man irgendwo vertreten ist, dann sollte man dort richtig vertreten sein und auch dieses Format nutzen. Um auch da wieder die Möglichkeit zu nutzen, Werte zu vermitteln. Beispielsweise, wenn ich als Bank probiere, den Trends hinterherzulaufen, dann geht das ja meistens schief, weil die sind so schnelllebig, bis ich das dann noch mal durch 'ne Feedbackschleife gegeben hab, ist der Trend vielleicht schon wieder vorbei. Könnte ich nicht viel mehr nutzen, die sozialen Medien, um mein Engagement in der Region zu zeigen, um zu zeigen, was differenziert mich von 'ner anderen Bank und was bringe ich eigentlich dem Ort der Stadt, in der du wohnst? Und wenn ich das schaffe, auch noch auf Social Media auszuspielen, dann hätten wir da wieder 'nen digitalen regelmäßigen Berührungspunkt.
00:15:15: Ares Abasi Bleiben wir mal bei Social Media. Was muss denn eine Bank erklären, was ein Social Media Post oder ein kurzer Social Media Beitrag nicht erklären oder leisten kann und was kann da eine Bank besser als ein Finfluencer?
00:15:28: Ben Müller Also was 'n Finfluencer gut kann, 'n Erklärvideo auf YouTube beispielsweise, ist die Skalierbarkeit. Also ich erreiche mit einem einfachen Format möglichst viele Leute. Wir haben ja nicht dieses Modell 'One size fits all', sondern wir haben häufig, ich hatte es eben auch kurz erwähnt, individuelle Probleme. Das bedeutet 'n einfaches Problem, was auf viele Leute gleichzeitig zutrifft, das können Influencer gut abdecken und da brauchen wir auch gar nicht in den Wettbewerb zu gehen, weil das schaffen die gut, die sind schon länger in dieser Welt drinne. Was uns unterscheidet ist, es gibt aber auch komplexe individuelle Probleme, wo eben dieses eine Video nicht passt. Und jetzt kann ja auch der Finfluencer nicht für seine Millionen von Views für jeden einzelnen Viewer ein eigenes Video produzieren, was genau auf dessen Situation abgestimmt ist, sondern da bräuchte die Person tatsächlich die individuelle Beratung und Begleitung und die kann dann eben die Volksbank oder Raiffeisenbank vor Ort schaffen.
00:16:23: Ares Abasi Bleiben wir mal bei Finanzbildung. Wir haben unsere Finanzbildungsbeauftragte von DG Nexolution hier im Publikum sitzen. Das heißt, die Zahlen werde ich jetzt mal ablesen, damit ich hier nichts Falsches sage. Jana lächelt. Laut dem Bundesverband deutscher Banken finden 75% der jungen Menschen Informationen zu Geldangelegenheiten wichtig. 92% wünschen sich mehr Wirtschafts- und Finanzwissen in der Schule. Gleichzeitig sagen 80%, dass sie dort kaum etwas über diese Themen gelernt haben. Eine weitere Studie kommt generationenübergreifend zu dem Ergebnis, dass nur 6% über ein solides Finanzwissen verfügen. Der Bedarf ist also ziemlich groß. Welche Finanzthemen hättest du denn selber gerne früher gelernt?
00:17:02: Ben Müller Die Zahlen erstmal sind uns natürlich auch vertraut und die sind erstmal sehr erschreckend. Ich find vor allem diese 6% sind total heftig, wenn man sich das mal überlegt, dass nur 6%, also 6 von 100 Personen, 'n solides Finanzwissen vorweisen können. Bei mir jetzt konkret, ich würd sagen, ich hatte schon recht früh 'ne Kapitalmarktaffinität, das heißt, das Thema, das war was, wo ich gesagt hab, OK, damit beschäftige ich mich gerne, damit setz ich mich auseinander und deswegen hab ich mich da früh eingelesen und damit beschäftigt. Was bei mir aber zum Beispiel deutlich zu kurz kam, wie für viele vermutlich, ist das Thema Steuern. Also da hätt ich gern mal jemanden gehabt, der sagt, OK, so funktioniert das Ganze. Und das zweite Thema ist Versicherung und ich glaube auch, das ist noch eine riesen Lücke, weil woher weiß man eigentlich, welche Versicherung ich wirklich brauche. Und auch da wieder, gibt es auf meine individuelle Lebenssituation irgendeine Versicherung, die ich vielleicht gar nicht hab, aber die sowas von Sinn machen würde. Und auch da haben wir innerhalb der GFG die Expertise für. Und das ist auch was, was ich gerne schon früher gelernt hätte. Aber auch da weiß ich halt wieder nicht, an wen wende ich mich. Man landet entweder auf irgendeiner Website, auf einem Blog, bei einem Finfluencer und woher weiß ich jetzt, dass der überhaupt in meinem Interesse spricht oder nicht doch irgendeine Provision für ein Produkt dahinter erhält?
00:18:14: Ares Abasi Den Punkt, den du auch vorhin angesprochen hattest, wenn man Finanzbildung falsch anwendet, kommt das wie ein Vertriebsmittel rüber. Sie kann aber auch, wenn du sie richtig anwendest, wirklich Vorteile haben und dem jungen Menschen das Gefühl vermitteln, dass er befähigt wird, was muss denn eine Bank tun, damit ein junger Mensch denkt, O. K., die Bank will mich befähigen und nicht den nächsten Abschluss mit mir vorbereiten.
00:18:34: Ben Müller Da würde ich sagen, das hat ganz viel mit einem Wort zu tun und das Wort ist Nein. Also, wenn ich als Kunde ein Nein äußere und ich das als Bank akzeptiere, dann zeige ich ja ganz klar, mir geht es eben nicht darum, dir hier was zu verkaufen, sondern mir geht es einfach nur darum, dass ich dich in einem ersten Schritt mal informiere und befähige und dass ich, wie eben gesagt, erstmal zuhöre Und dann auch als Bankmitarbeiter beispielsweise ehrlich in einem Beratungsgespräch sage: 'Das würde jetzt aber für dich so keinen Sinn machen.' Und in einem zweiten Schritt kann man dann ja vielleicht immer noch ein anderes Produkt empfehlen, was mehr Sinn machen würde. Aber auch wenn der Kunde da sagt: 'Nein, das ist nichts für mich', dann zu sagen: 'O.K., trotzdem war es ein gutes Gespräch.' Und da sind wir dann nämlich bei dem Punkt, das ist gelebte Finanzbildung. In dem Moment vermittel ich ja dem Kunden etwas, was er auch so auf eine seriöse Weise bekommen hat, was er anders vielleicht nicht bekommen hätte. Und das kann einen unterscheiden vom Verkäufer hin zum Begleiter.
00:19:28: Ares Abasi Mhm. Um noch mal auf Neobroker zurückzukommen, wo sind denn Neobroker stärker und wo sind Genossenschaftsbanken stärker? Du hast es vorhin gesagt, aber fass das doch noch mal kurz zusammen.
00:19:38: Ben Müller Ich würd sagen, ganz klar, in der digitalen Welt sind die stärker, das müssen wir einsehen. Die haben schnellere Eröffnungsstrecken, die haben teils 'ne bessere UX UI Wir sind stärker, was Werte angeht. Das bedeutet, wir haben 'n Fundament, 'n Wertekonstrukt, was sich nicht so einfach nachahmen lässt. Das müssen wir bewusster spielen und da müssen wir uns auch bewusster werden, was teilweise hinter den anderen Neobrokern für Wertekonstrukte stehen und ob man die eben unterstützen möchte. Und ich hab es eben kurz erwähnt, aber ich würde sagen, Digitalisierung, das hört sich jetzt vielleicht auch ein bisschen zu flach an, aber Digitalisierung ist leicht, Werte sind schwer zu erreichen. Also ich kann diese Digitalisierung, die kann ich nachholen, aber bis ich erstmal Werte vermittelt bekomme, hinter denen ich stehe, das dauert wirklich lange und dass ich glaubhaft zeige, das sind Werte, hinter denen ich stehe und die haben wir schon. Das heißt, die müssen wir nutzen und einfach bei der Digitalisierung noch einen Schritt aufholen.
00:20:28: Ares Abasi Wenn wir jetzt erstmal nur mit einer Sache anfangen könnten in den nächsten 12 Monaten, was würdest du sagen, müsste eine Genossenschaftsbank verändern, damit sie für junge Menschen erkennbar besser wird?
00:20:39: Ben Müller Da würde ich noch mal auf den Anfang zurückkommen, da hatte ich das nämlich erwähnt. mehr in Lebenssituationen denken, also weniger Produkte, mehr Lebenssituationen, sich mal klar damit beschäftigen und ich mein, fast jede Bank hat Auszubildende, hat junge Kunden, die auch einfach mal wirklich fragen, was sind denn Probleme, die euch tagtäglich beschäftigen und dann bekomme ich diese Probleme geäußert und dann gebe ich erstmal die Antwort auf diese Fragen und beschäftige mich mit diesen Lebenssituationen. Erstes Mal eigene Wohnung, erstes Gehalt, ich hab 50€ am Ende des Monats übrig, was mache ich damit? Das sind eben die Fragen, die man sich stellt im Alltag und nicht, soll ich jetzt einen Wertpapiersparplan anlegen, brauche ich eine Hausratversicherung. Auf die Fragen komme ich ja erst mal gar nicht, wenn ich die Finanzbildung nicht habe. Das bedeutet, ich muss mich erst mal mit dem Problem auseinandersetzen und kann dann über diesen Weg hin in die Produktwelt auch kommen.
00:21:29: Ares Abasi Welche Stereotypen müssten wir aufgeben?
00:21:32: Ben Müller Ja, wir müssten als Bank weniger davon ausgehen, dass die Kunden einfach zu uns kommen oder was ich auch schon teils gehört habe, leider ist, Wenn es ja dann wirklich ums Wichtige geht und die Kunden 30 bis 40 Jahre alt sind, dann kommen die zurück. Und ich glaube, das ist nicht der Fall aus 2 Aspekten, weil zum einen gewöhnt man sich dann an diesen Komfort und diese Übersichtlichkeit und diese Einfachheit, den wir Neobrokern der Neobank bietet. Und zum anderen geben wir damit diesen Neobrokern und Neobanken wahnsinnig viel Zeit aufzuholen zu uns und diese ganzen Angebote noch auszuweiten. Und bisher sind wir an einigen Stellen noch deutlich besser unterwegs. Das heißt, wir müssen die Kunden jetzt binden, damit wir sie überhaupt noch an dem Moment, beispielsweise der Hausfinanzierung, dem Hauskauf, noch haben.
00:22:16: Ares Abasi Jetzt brauche ich noch eine Einsatzantwort von dir und dann noch mal 3 Schlagwörter und zwar vervollständige bitte diesen Satz: 'Eine Genossenschaftsbank gilt für junge Menschen dann zur ersten Adresse, wenn.
00:22:27: Ben Müller Wenn sie weniger in Produkten und mehr in Lebenssituationen denkt und den Kunden befähigt, statt ihm etwas verkauft.'.
00:22:33: Ares Abasi Und wenn du zum Abschluss einem Vorstand oder einem Entscheider einer Genossenschaftsbank 3 Empfehlungen geben dürftest, Was müsste er ab morgen anders machen, um junge Menschen nicht nur als Kunde, sondern als Mitglied zu begeistern?
00:22:45: Ben Müller Also, der erste Punkt wäre für mich recht klar, den habe ich nämlich gerade genannt. Hört den jungen Kunden zu, den jungen Mitgliedern, den jungen Mitarbeitern, sprecht mit ihnen, nicht über sie, weil es gibt häufig Gremien und Entscheidungsrunden, in denen diese jungen Leute gar nicht vertreten sind. Deswegen bin ich sehr dankbar, was der BVR uns hier ermöglicht, weil so dürfen wir mit in diese Runden reingehen und unsere Meinung dazu abgeben. der zweite Punkt wäre, dass ich sagen würde, macht die Mitgliedschaft erlebbar. Ich muss als Mitglied wissen, welche Vorteile ich hab, was bedeutet das, wo hab ich in meinem täglichen Leben Berührungspunkte damit und welche Vorteile ergibt es im analogen Leben, ganz wichtig. Und der dritte Punkt, das sag ich jetzt aus der Finanzbildungsbrille heraus, solche Punkte wie Finanzbildung sollte man nicht als reinen P. R. Gag machen, weil man sich dann gut macht im Image, sondern aus Haltung heraus. Und da kommen wir wieder beim Thema Genossenschaft an. Wir sind eben nicht rein gewinnorientiert, sondern wir wollen das wirklich machen, um Mitglieder zu befähigen und so sollte man es auch verstehen. Es ist 'ne Haltung, 'ne klare Haltung und deswegen auch, wenn bei Finanzbildung beispielsweise nicht direkt 'ne Rendite bei rumspringt, das einfach zu machen, um die Mitglieder zu befähigen.
00:23:57: Ares Abasi Fassen wir doch noch mal unser Gespräch zusammen. Erstens, junge Menschen sind nicht finanzfern, das haben wir festgestellt. Sie erwarten Banking, das verständlich, fair, sicher und alltagstauglich ist. Zweitens, Genossenschaftsbanken haben mit Nähe, Vertrauen und Regionalität echte USPs. Das sind zwar Stärken, die erstmal noch 'n bisschen mehr herausgestellt werden müssen. Sie müssen übersetzt und erlebbar gemacht werden. Und drittens, wer junge Menschen langfristig binden will, muss früher relevant sein und das auch in diesen kleinen Lebenssituationen, über die wir gesprochen haben. Vielen Dank fürs Zuhören, fürs Dabeisein. Vielen Dank, Ben, für deine Zeit. Vielen, vielen Dank. Danke.
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